Perfektion im Trassee

BERNMOBIL-Gleisbauer Christian Kämpf sorgt dafür, dass die neuen Tramschienen am Eigerplatz millimetergenau sitzen. Er kennt sich auf der Baustelle in Praxis und Theorie aus – und weiss zwischen den Bauarbeitern und den Planern im Hintergrund zu vermitteln.

Wie ein ausgetrocknetes Bachbett zieht sich das künftige Tramtrassee durch die lang gezogene Baustelle am Eigerplatz. Hier wird hart gearbeitet – Strassenarbeiter bereiten die Betonkanäle für den grossen Moment vor: wenn die Gleisbauer die neuen Tramschienen in Tiefgängerlastwagen zum Eigerplatz transportieren und verlegen. Christian Kämpf freut sich, dass es nun endlich mit der ersten Etappe losgeht – der 35-Jährige ist als Vorarbeiter
mitverantwortlich, dass jedes Gleis perfekt sitzt. Er und sein Team sind gut vorbereitet: «Wir haben alle Teile – insgesamt rund
300 Meter Schienen – bereits im Winter genau in ihre Geometrie
gebogen und nummeriert. Sobald sie auf der Baustelle ankommen, müssen wir schnell und äusserst exakt arbeiten.»

Millimetergenaue Arbeit

Kämpf und seine Kollegen unterhalten und bauen alle Schienen auf dem BERNMOBIL-Netz, insgesamt umfasst es 48 Kilometer. Christian Kämpf ist jung, schlank und kräftig, er fühlt sich auf der Baustelle offensichtlich wohl. Gut gelaunt schreitet er an Männern vorbei, die fräsen und hämmern, wechselt mit dem Polier der Strassenbaufirma ein paar Worte und sieht sich die leeren Betonkanäle an. Am Boden sind weisse Kreuze angemalt, hier werden nun Klötze aus Beton eingebaut. Diese tragen die neuen Gleise provisorisch, bis sie später einbetoniert werden. Ist jede Schiene an ihrem Ort, wird sie so verstrebt, dass sie sich nicht mehr bewegen kann. Die Gleisbauer richten anschliessend mit hauchdünnen Plättchen, die sie unter die Gleise schieben, die Höhe der Schienen aus.

Gleisbau sei eine anspruchsvolle und faszinierende Arbeit, sagt Kämpf, der gelernter Strassenbauer ist und seit einem Jahr bei BERNMOBIL arbeitet: «Die Linien und Höhen der Schienen müssen millimetergenau passen.» Er profitiere gerne von der Erfahrung der langjährigen Gleisbauer im Team. «Ich staune immer wieder, mit welch einem ‹Gspüri› sie vorgehen – sie riechen geradezu, wo sie noch korrigieren müssen.» In der Nacht kommen die Schweisser des Teams zum Einsatz und verschweissen die Gleisteile. Tags darauf kontrolliert Kämpf mit einem Spezialgerät, ob die Schiene exakt liegt – und justiert bei Bedarf nach. «Eine komplexe Sache, doch genau das gefällt mir.» Er baut auch elektronische Weichenanlagen, Stromrückleiter und -anschlüsse sowie Entwässerungsanlagen ein.

Vermittler auf der Baustelle

Die Arbeit auf der Baustelle habe es ihm seit jeher angetan, sagt Kämpf. Sein Vater habe ihn als Kind mit der Freude an Technik und an der harten Arbeit im Strassenbau angesteckt. Dennoch wurde er im Gegensatz zu seinem Vater als Strassenbauer nicht glücklich: «Wir mussten immer schneller und billiger bauen – ich konnte mit meinem Berufsstolz nicht mehr hinter meiner Arbeit stehen und litt unter den Arbeitsbedingungen.» Auch nach der Vorarbeiterschule sah er sich in der Sackgasse. Ein Berufsberater motivierte ihn schliesslich, über seinen Beruf hinauszudenken – Kämpf entschied sich für die Handelsschule. Mit seinen Qualifi-kationen ist er heute ein gesuchter Mitarbeiter. Nach drei Jahren in einer Führungsposition eines Gemeindewerkhofs nahm er vor einem Jahr die Stelle bei BERNMOBIL an.

Hier sei er am richtigen Ort, sagt Kämpf: Als Gleisbauer arbeite er zwar immer noch auf der Baustelle. In seiner Funktion als Stellvertreter des Bereichsleiters Gleis- und Tiefbau sitze er aber auch im Büro und dürfe mitdenken und mitreden. «Heute kann ich etwas bewirken, indem ich bei den Planern der Baustellen die Sicht des Praktikers einbringen und gleichzeitig den Bauarbeitern erklären kann, weshalb etwas anders gebaut wird, als sie dies tun würden.» Diese Vermittlerrolle gefalle ihm sehr, denn er könne auf beiden Seiten viel Verständnis erzeugen, Abläufe verbessern und Doppelspurigkeiten vermeiden.

Mit einem Lächeln bei der Arbeit

Kämpf und seine Kollegen unterhalten auch die Gebäude und Grünanlagen von BERNMOBIL. Im Tramdepot beim Eigerplatz, wo antike Trams auf ihren nächsten Einsatz warten und kaputte Fahrzeuge auf ihre Reparatur, hat Kämpf kürzlich die Stützpfeiler unter der Waschanlage ersetzt. Über die Wintermonate werden schliesslich die Gleise für die Baustellen der kommenden Saison vorbereitet und der Winterdienst sichergestellt.

Die Abwechslung der Arbeit passe bestens zu jener des Teams, sagt Kämpf: Manchmal sei er mit Lehrlingen unterwegs, manchmal mit Arbeitern kurz vor der Pension, und seine Kollegen hätten so unterschiedliche Berufe gelernt wie Töffmechaniker, Elektriker, Strassenbauer, Maurer, Gleisbauer und Industrieschweisser. Sogar einen Bauer gebe es im Team. Fast alle seien in jedem Bereich im Einsatz, «das macht die Arbeit umso abwechslungsreicher und spannender». Er selbst gelte im Team als jener, der immer Flausen im Kopf habe, sagt Kämpf und ergänzt, dass er auch zu Hause mit seiner vierjährigen Tochter gerne Blödsinn mache. «Lachen ist wichtig – sonst wird der Alltag zu ernst.» Und die Arbeit auf dem Bau zu anstrengend.

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