Der Fahrgast soll sich wohlfühlen

Die Branche des öffentlichen Verkehrs steht vor grossen Veränderungen. Im Interview erklärt BERNMOBIL-Direktor René Schmied, wohin die Reise geht.

BERNMOBIL-Magazin: Stichworte wie Digitalisierung, selbstfahrende Fahrzeuge oder neue Mobilitätsdienstleistungen wie Uber sorgten in jüngster Zeit öfters für Schlagzeilen. Was heisst dies für BERNMOBIL?
René Schmied: Die erwähnten Themen beschäftigen uns tagtäglich. Denn wir wollen für die Region Bern und deren Bevölkerung auch in Zukunft die bestmögliche und umweltschonende Mobilität anbieten. Deshalb müssen wir diesen Entwicklungen gegenüber offen sein und prüfen, ob und wo wir sie gewinnbringend einsetzen können. Ich kann mir vorstellen, dass beispielsweise auf Quartierlinien mit wenig Fahrgästen in Zukunft selbstfahrende Fahrzeuge unterwegs sein werden.

Wird BERNMOBIL in Zukunft kein Fahrpersonal mehr benötigen?
Wir wollen kein anonymer Dienstleister werden. Wir transportieren Menschen, und Menschen brauchen sozialen Austausch. Unsere Fahrdienstangestellten erbringen neben dem Fahren viele weitere Dienstleistungen für den Fahrgast. In den nächsten Jahren wollen wir das Dienstleistungsverständnis bei allen Mitarbeitenden weiter verbessern. Der Fahrgast soll sich bei uns wohlfühlen. Zudem bin ich skeptisch, ob im dichten Stadtverkehr ein Computer das gleiche Gespür für die Verkehrssituation entwickeln kann wie ein erfahrener Chauffeur. Daher wird es in nächster Zukunft bei BERNMOBIL weiterhin Fahrpersonal geben.

Rasant gehen die Entwicklungen auch beim elektronischen Ticketing voran. BERNMOBIL hat 2015 das E-Ticket auf der ÖV Plus-App lanciert. Jetzt treten andere Transportunternehmen mit neuen Lösungen auf den Markt, die bspw. die Fahrt aufzeichnen und nachher den besten Preis berechnen. Ist die ÖV Plus-App bereits veraltet?
Nein, für die ganz grosse Mehrheit unserer Fahrgäste ist die ÖV Plus-App die optimale Lösung. Sie können in einer App ihre Libero-Tickets lösen, Fahrplanabfragen tätigen, Echtzeitangaben und Verkehrsinformationen erhalten oder auf der Karte die nächste Haltestelle lokalisieren. Die von der BLS eingeführte Lösung (Lezzgo) ist dagegen vor allem für ungeübte Gelegenheitsfahrer ideal. Der Fahrgast wird vom Lösen des richtigen Tickets entlastet. Natürlich beobachten wir die Marktentwicklung genau. Wenn sich eine schweizweite Lösung beim E-Ticketing abzeichnen sollte, werden wir eine Unterstützung dieser Lösung auf jeden Fall prüfen.

Kürzlich haben Bund und Kanton BERNMOBIL den Zuschlag für den Betrieb der Buslinien im Raum Münsingen-Belp ab Dezember 2017 erteilt. Wird BERNMOBIL zum Regionalverkehrsunternehmen?
Unser Kerngeschäft bleibt der städtische Verkehr. Da wir schon über 10 Jahre im Raum Münsingen-Belp tätig sind, war es für uns logisch, an dieser Ausschreibung teilzunehmen. Wenn sich weitere Chancen in der Region Bern bieten, um unser Angebot sinnvoll zu ergänzen, werden wir dies sicher auch in Zukunft prüfen. Besonders freut mich, dass wir einmal mehr unsere Wettbewerbsfähigkeit beweisen konnten.

Mit dem Tram Ostermundigen steht ein weiteres grosses Erweiterungsprojekt bevor. Wird es wie bei Tram Bern West im zweiten Anlauf mit dem Tram klappen?
Das Tram Bern – Ostermundigen ist wichtig für die Entwicklung
der Region. Es wird die Gesamtverkehrssituation in diesem Raum deutlich verbessern, wie dies bereits mit dem Tram Bern West
in Bümpliz und Bethlehem gelungen ist. Das Tram ist nach wie vor das ideale städtische Verkehrsmittel: Es ist umweltfreundlich, weist eine hohe Kapazität auf und ist im Vergleich zu einer U-Bahn um ein Mehrfaches günstiger. Deshalb bin ich überzeugt, dass es auch mit dem Tram nach Ostermundigen im zweiten Anlauf klappen wird.

Alle BERNMOBIL-Magazine auf einen Blick