Tramlink - gut geplant, ist halb geliefert!

Die Produktion des Tramlink in Valencia läuft auf Hochtouren. Während in den Montagehallen von Stadler Rail die ersten Fahrzeuge immer mehr Gestalt annehmen, bereitet sich BERNMOBIL bereits jetzt auf das Eintreffen des ersten Tramlinks Ende dieses Jahres vor.

Wir kennen es alle vom Lego spielen – hunderte Teile vor sich ausgebreitet zu haben, ist nur die halbe Miete. Ohne einen entsprechenden Bauplan ist es schier unmöglich nachzuvollziehen, welcher Legostein wo und wie verbaut werden muss. «Ja, so ähnlich ist das auch beim Tramlink», erklärt Stefan Keiser mit einem Augenzwinkern. Der Projektleiter Tramlink bei BERNMOBIL verweist in diesem Zusammenhang auf den nächsten zentralen Punkt im Projektplan: Die so genannte Nachverfolgung aller im Tramlink verbauten Systeme. Bis Mitte März muss in einer Datenbank klar definiert und dokumentiert sein, wo welches System mit welcher Seriennummer im Fahrzeug verbaut ist. Anschliessend wird die Struktur des Tramlinks mit den verbauten Seriennummern ins SAP-System von BERNMOBIL eingepflegt. Dadurch kann eine interne Rückverfolgung der verwendeten Systeme innerhalb der «Tramlinkfamilie» von BERNMOBIL ermöglicht werden. Diese enthält Informationen über ein betreffendes System wie etwa Kilometerleistung, Störungsbehebungen, Austausch, Reparaturkosten, etc. «Natürlich werden auch alle Ersatzteile der Fahrzeuge ins SAP aufgenommen, so dass diese bei Bedarf einfach nachbestellt werden können.»

Inbetriebnahme und Test

Zeitgleich zur beschriebenen Nachverfolgung nehmen die neuen Tramlinks in der Montagehalle in Valencia Gestalt an. «Verläuft die Produktion nach Plan, steht Ende Mai das erste komplett ausgerüstete Fahrzeug bereit», erklärt Keiser. Anschliessend wird das neue Tram bis im Oktober auf Herz und Nieren geprüft – vom Fahrwerk über die Klimaanlage und den Führerstand bis hin zu den Türsystemen oder den Fahrgastsitzen. «Wir werden das Lastenheft minutiös durchgehen und kontrollieren, ob unsere Erwartungen erfüllt wurden», präzisiert Stefan Keiser – und dabei handelt es sich immerhin um mehr als tausend Positionen.

Schwertransport zum Eigerplatz

Bis zur Auslieferung des ersten Tramlinks gibt es auch organisatorisch noch einiges zu tun. Nebst der Planung diverser Schulungen für den Fahrdienst und das technische Personal will auch der Transport der 27 Fahrzeuge vom spanischen Valencia nach Bern gut vorbereitet sein. Für die Überführung der ersten Tramkomposition Mitte November werden drei Lastwagen benötigt. Dass diese Fahrt als Schwertransport durchgeführt werden muss, versteht sich in Anbetracht der Dimensionen von selbst. «Sie wird zu einer Art Nagelprobe für den Transport der weiteren Tramlinks in die Schweiz», erklärt Stefan Keiser. Erleichternd kommt hinzu; Stadler Rail wird zu dem Zeitpunkt bereits andere Schweizer Tramlink-Kunden – wie etwa die Aargau Verkehr AG (AVA) – beliefert haben. So wird der grösste Teil der Transportroute bereits «erprobt» sein.

Auch in den Tramdepots von BERNMOBIL wird bereits jetzt alles für die Ankunft der Fahrzeuge vorbereitet. Für die Inbetriebsetzung der Tramlinks sind die Spezialisten von Stadler Rail aus Valencia verantwortlich. Für sie müssen im Depot Bolligenstrasse diverse Werkstatt- und Büroarbeitsplätze sowie Lagermöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Umbauten im Depot Eigerplatz

Die Ausmusterung der in die Jahre gekommenen Vevey-Trams und die Einführung von 27 Tramlinks stellt auch die Hauptwerkstätte vor neue Herausforderungen. Die Tatsache, dass am Eiger künftig mehr Fahrzeuge gewartet werden müssen, ist nur ein Aspekt. «Der Tramlink an sich macht eine Anpassung der Werkstattinfrastruktur nötig», erklärt Michael Aufdenblatten, Projektleiter Tram und ergänzt: «Im Vergleich zum bewährten Combino ist der technische Aufbau des Tramlinks unterschiedlich und benötigt einen ergänzten Maschinenpark.» Aus diesem Grund startete Mitte Januar der eigentliche Umbau der Hauptwerkstatt Tram. Dieser beinhaltet unter anderem den Austausch der Tram-Hebeanlage sowie deren Verlängerung um ca. 10 Meter. Weiter wird auch die Kapazität der Bodenlast im Arbeitsbereich erhöht – was eine polyvalente Einrichtung und eine Erweiterung der Lagermöglichkeiten erlaubt.

Improvisation ist gefragt

Damit der laufende Betrieb während der rund viermonatigen Umbauphase nicht ins Stocken gerät, musste vorgängig einiges bedacht werden. «Da die Fertigung diverser Bauteile an Drehbänken und Fräsmaschinen in dieser Zeit aus Platzmangel eingestellt werden muss, galt es die benötigten Bestände vorzuproduzieren.» Auch im Bereich der Arbeitsplätze war Improvisation gefragt - einige Werkbänke und Schubladenstöcke haben ihre Bleibe darum zwischenzeitlich im «alten Kohlekeller» gefunden.

Der erste Tramlink wird voraussichtlich im Dezember dieses Jahres auf dem Netz von BERNMOBIL zu sehen sein – wenn auch nur zu Probefahrten. Die Aufnahme des regulären Linienbetriebs ist ab Spätsommer 2023 vorgesehen.  

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Kommentare


Holderegger Walter

28.01.2022 um 21:01 Uhr

Äusserst interessant Vorgänge vom Anliegen der Trambeschaffung, dem Anforderungsprofil, den Kreditgenehmigungen, der Auswahl/Bestimmung des Herstellers, der Detailplanung, der Lieferterminiering, der systematischen Begleitung bei der Herstellung, den Untethaltshallen mit Ersatzteillager, der Abnahme der Fahrzeugen, der Instrktion des Fahrpersonals und abschliessend das Bewältigen von möglichen (möglichst wenigen....) Überraschungen. Viel Glück zum neuen Tram.

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