Zweites «Leben» für unsere Linienbusse
Ausgemusterte Linienbusse von BERNMOBIL werden in der Regel weiterverkauft und so nachhaltig genutzt.
24.02.2026
Verschrottung von ausgemusterten Linienbussen ist bei BERNMOBIL die Ausnahme. Bisher einmalig war die Entscheidung, Mitte Februar 2026 drei weitere Busse in die Ukraine zu verschenken. Damit erhalten Fahrzeuge, die in Bern ihr Lebensende erreicht haben, ein zweites Leben – und unterstützen Städte im Aufbau ihrer ÖV-Systeme, die kein Geld haben, neue Busse anzuschaffen.
«Unser Betrieb fährt Busse je nach Typ zwischen 13 und 16 Jahren. Danach geben wir grundsätzlich alle Fahrzeuge weiter», erklärt Walter Bauen, Rollmaterialmanager bei BERNMOBIL. Ausnahmen bilden einzig Trolleybusse mit einem Anschaffungswert von über einer Million Franken. Diese bleiben rund 20 Jahre im Dienst, ehe sie den Besitzer wechseln. «Diese Praxis hat sich bei BERNMOBIL seit Jahrzehnten etabliert und gehört zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Fahrzeugpark.»
Zwischenhändler
Die bei BERNMOBIL ausgemusterten Fahrzeuge werden ausschliesslich an Zwischenhändler und nicht an Endkunden verkauft. Hierfür werden rund fünf mögliche Abnehmer gleichzeitig angefragt. «Den Zuschlag kriegt in der Regel der Meistbietende», erklärt Walter Bauen. Ausnahmen bildeten einzig die Weitergabe von drei Standard- und drei Gelenkbussen, die im Winter 2025/26 als Schenkung in die ukrainische Stadt Trostyanets überführt wurden. Im Verlauf des Jahres werden weitere Busse veräussert. Unter anderem wechseln zehn Gasgelenkbusse den Besitzer – Fahrzeuge, die mitunter aufgrund der Elektrifizierung der Buslinie 10 durch moderne Doppelgelenktrolleybusse ersetzt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Ausgemusterte BERNMOBIL-Busse bekommen ein zweites Leben.
- Weiterverkauf erfolgt nur über geprüfte Zwischenhändler.
- Auch älter Busse erfüllen Abgasnormen.
- Der Verkauf lohnt sich finanziell kaum - ökologisch umso mehr.
Klare Kriterien
Bevor ein Bus BERNMOBIL verlässt, müssen strenge Vorgaben eingehalten werden. So werden die Fahrzeuge zunächst vollständig von jeglichen Beschriftungen befreit, und wiederverwendbare Komponenten wie Ticketautomaten, Bildschirme oder Bordcomputer ausgebaut. Trotz dieser Anpassungen bleiben die Fahrzeuge weiterhin strassenverkehrstauglich und sind mit Feuerlöscher sowie Notfallausrüstung ausgestattet. Ersatzteile werden nur dann mitgegeben, wenn im eigenen Betrieb keine Fahrzeuge dieser Serie mehr vorhanden sind. Wichtig zu wissen: Die Busse werden nicht mehr bei der Motorfahrzeugkontrolle vorgeführt und ohne jegliche Garantie verkauft.
Der oft geäusserte Wunsch, alte Linienbusse zu Campern oder Foodtrucks umzubauen, ist unrealistisch. «Fehlende Sicherheitsgurte, tiefer Einstieg, keine Fahrtenschreiber und baurechtliche Hürden machen solche Projekte praktisch unmöglich.»
Hohe Ansprüche
Wie kann es sein, dass Fahrzeuge, die in Bern ihr Lebensende erreicht haben, in osteuropäischen Ländern noch jahrelang ihre Runden drehen? Und weshalb werden vermeintlich alte «Abgasschleudern» ins Ausland abgegeben, wo sie die Luft zusätzlich belasten?
«Theoretisch könnten diese Fahrzeuge auch in Bern noch viele Jahre eingesetzt werden», sagt Walter Bauen. In der Praxis scheitere dies jedoch an Kosten und Vorschriften. Reparaturen, die in anderen Ländern toleriert würden, seien hierzulande schlicht zu teuer. Zudem kostet die Arbeitsstunde eines Automechatronikers in der Schweiz ein Vielfaches dessen, was sie in osteuropäischen Ländern kostet.
Entscheidend ist auch: Die weitergegebenen Busse erfüllen die für ihre Baujahre geltenden Abgasnormen und würden diese unter Schweizer Bedingungen noch lange einhalten.
Umwelt- und Luftqualität
Ihr Weiterbetrieb in einem meist osteuropäischen Land bedeutet dort meist nicht eine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung der Umwelt- und Luftqualität. Hinzu kommt, dass in der Schweiz besonders hohe Ansprüche an modernes Rollmaterial in Bezug auf Sicherheit, Komfort, Barrierefreiheit und technische Ausstattung gestellt werden, die ältere Fahrzeuge häufig nicht mehr erfüllen. «Unter dem Strich ist der Weiterverkauf der Fahrzeuge nachhaltiger, als wenn sie direkt auf dem Schrottplatz landen», so Bauen.
Technologiewandel
Über Jahrzehnte dominierten dieselbetriebene Linienbusse den öffentlichen Verkehr, ehe neue Technologien zum Einsatz kamen. «2007 galt Gas als zukunftsfähige Antriebstechnik», bilanziert Bauen in der Rückschau. Man sei in der ganzen ÖV-Branche überzeugt gewesen, dies sei der «Gamechanger». «Wir mussten jedoch bald feststellen, dass die Busse speziell im Sommer zu überhitzen drohten. Dies aufgrund der Tatsache, dass der natürliche Fahrtwind die Motoren nicht ausreichend zu kühlen vermochte.» In der Folge verschwanden die Gasbusse wieder von der Bildfläche – und auf dem Occasionsmarkt waren sie praktisch wertlos. Fortan beherrschten nicht nur modernere, sondern auch wirtschaftlichere Hybrid-Fahrzeuge als Brückentechnologie das Strassenbild – bevor die flächendeckende Elektrifizierung der Buslinien in Angriff genommen wurde.
Kein lohnendes Geschäft
Finanziell ist der Weiterverkauf ausgemusterter Linienbusse kaum attraktiv. «Je nach Nachfrage erzielen wir für einen Bus zwischen 1’300 und maximal 10’000 Franken», erklärt Walter Bauen. Findet sich kein Käufer, bleibt nur die Verschrottung – diese verursacht Kosten von rund 4’000 Franken.
Blick in die Zukunft
Voraussichtlich wird es bis 2035 dauern, bis die ersten sogenannten «Streckenlader» ihre Lebensdauer auf den Strassen in und um Bern erreicht haben. Ob und in welchem Ausmass technisch weniger weit entwickelte Länder für den Einsatz dieser Fahrzeugart gerüstet sein werden, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass BERNMOBIL alles daransetzen wird, ihren Fahrzeugen ein zweites Leben zu ermöglichen.
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