Planung von Baustellen bei BERNMOBIL
Eine BERNMOBIL‑Baustelle beginnt lange vor dem ersten Absperrgitter.
28.04.2026
Eine Baustelle bei BERNMOBIL entsteht nicht über Nacht. Bis Absperrgitter aufgestellt, Tramlinien umgeleitet und Ersatzbusse eingesetzt werden, stecken mehrere Jahre intensiver Planung dahinter. Ein Blick hinter die Kulissen – und in ein Modell, das Ordnung in die Komplexität bringt.
Absperrgitter, Baulärm, ein Tram, das nur verkürzt verkehrt und Ersatzbusse. Für die meisten Fahrgäste beginnt beim Start einer Baustelle eine Phase des Umorientierens. Für uns intern hingegen begann die Planung dafür vor mehreren Jahren. Doch weshalb dauert die Planung so lange? Welchen Prozess durchläuft ein Bauprojekt, bis es zur Realisierung kommt?
Die Planung für Infrastrukturprojekte erfolgt in der Regel in sechs verschiedenen Phasen, nach dem sogenannten SIA-Phasenmodell, festgelegt durch den Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA).
Strategische Planung
Die erste Phase, die sogenannte «Strategische Planung» erfolgt laufend. Bei BERNMOBIL besteht eine Mehrjahresplanung der Infrastruktur über einen Zeithorizont von 15 Jahren und umfasst Erneuerungen (z.B. 1:1 Gleisersatz), Neugestaltungen sowie Angebots- und Netzerweiterungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Von der Planung bis zur Umsetzung einer BERNMOBIL-Baustelle dauert es oft mehrere Jahre.
- Die Planung und Umsetzung erfolgt in sechs Phasen, analog dem SIA-Phasenmodell.
- Kompromissbereitschaft und Verhandlungsgeschick sind zentral.
Anstehende Bauvorhaben werden von BERNMOBIL in die Koordination aller Bauanforderungen im öffentlichen Raum der Stadt Bern (KÖR) eingegeben. Die KÖR umfasst 36 Amtsstellen und Transportunternehmen, welche alle ihre Bauvorhaben eingeben – daraus wird abgeleitet, ob Konflikte zwischen Bauvorhaben bestehen oder ob Synergien genutzt werden können. Die Bauvorhaben gehen schliesslich in Vernehmlassung bei den KÖR-Mitgliedern, bevor die eigentliche Projektierung in Angriff genommen wird.
BERNMOBIL-Podcast: Bauen im laufenden Betrieb: So bleibt BERNMOBIL in Fahrt.
Vorstudie
Im Übergang zu Phase zwei gründen alle aktiven Akteure eines Bauvorhabens eine Bauherrengemeinschaft. Nun beginnt die zweite Phase, die Vorstudien: Die Bauherrengemeinschaft beschafft die notwendigen Projektierungskredite für die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie des anstehenden Projekts. Die Machbarkeitsstudie beinhaltet unter anderem ein erstes Betriebs- und Gestaltungskonzept. Die Bauherrengemeinschaft erhält damit eine fundierte Grundlage dafür, wie die verschiedenen Anforderungen an das Infrastrukturvorhaben aufeinander abgestimmt werden können, in welchem Bereich jeder Bauherr Abstriche machen muss und wo seine Anliegen berücksichtigt werden können.
Die zweite Phase ist für BERNMOBIL entscheidend, weil dann die verkehrliche Lösung für die künftige Infrastruktur festgelegt wird. Die Anliegen der verschiedenen Bauherren an das Betriebs- und Gestaltungskonzept werden so lange verhandelt, bis alle mit dem Resultat einverstanden sind – Kompromissbereitschaft aller Beteiligten ist dabei Voraussetzung.
Projektierung
Sobald die Bauherrengemeinschaft das Betriebs- und Gestaltungskonzept verabschiedet hat, beginnt die dritte Phase «die Projektierung». In dieser Phase wird die Machbarkeitsstudie vertieft und es entsteht beim Vorprojekt eine erste Kostenschätzung. Nach einer weiteren Vertiefung der Resultate im Bauprojekt folgt eine weitere genauere Kostenschätzung (+/- 10%). Basierend auf dieser Kostenschätzung beschafft die Bauherrengemeinschaft die Realisierungskredite. Meist sind die Beträge so hoch, dass der Stadtrat die Kredite freigeben muss, bei Grossprojekten ist sogar eine Volksabstimmung erforderlich.
Anschliessend folgt das Bewilligungsverfahren. Die Bewilligungsbehörde prüft und genehmigt offiziell das Bauvorhaben. Dabei gilt es eine Interessenabwägung vorzunehmen. Anwohnende, Umweltschutz, Denkmalschutz, andere Behörden und weitere Betroffene haben die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Das Verfahren stellt sicher, dass ein Projekt rechtlich, technisch und gesellschaftlich tragbar ist. Bis ein Plangenehmigungsverfahren rechtlich abgeschlossen ist, dauert es lange – oft einige Jahre.
Ausschreibung und Realisierung
Nach der offiziellen Bewilligung für ein Infrastrukturvorhaben, folgt die vierte Phase in der die Ausschreibung für verschiedene Funktionen wie Baumeister oder Fahrleitungsbauer erfolgt.
Nach jahrelanger Vorarbeit folgt dann die fünfte Phase: die Realisierung. Das Bauvorhaben wird umgesetzt, bevor das Projekt mit der Inbetriebnahme seinen Abschluss findet. Die eigentliche Bauphase ist meist ein kurzer, hochenergetischer Sprint von wenigen Wochen oder Monaten. Die jahrelange Planung dahingegen gleicht eher einem Marathonlauf hinter den Kulissen: unsichtbar, aber entscheidend.
Bewirtschaftung
Als sechste und letzte Phase gilt die Bewirtschaftung, sprich den Betrieb und die Erhaltung der (um)gebauten Infrastruktur. Diese dauert so lange, bis sich das Ende der Lebensdauer der Infrastruktur abzeichnet und der ganze Prozess wieder von vorn beginnt.
BERNMOBIL-Podcast
In der aktuellen Folge des BERNMOBIL-Podcasts schauen wir hinter den Bauzaun und begleiten eine Gleissanierung. Wir klären, wie viele Schritte, Fachdisziplinen und Absprachen nötig sind, damit der Betrieb trotz Eingriffen im öffentlichen Raum möglichst reibungslos weiterläuft. In der Rubrik «Kurzstrecke» besprechen wir im Interview unter anderem das liberale Einspracherecht bei Bauprojekten.
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