«Wohlfühlklima» in Tram und Bus?
Wir zeigen, was die Klimatisierung leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen.
28.05.2026
Warum ist es mal zu warm, mal zu kühl – und wieso fühlt es sich nicht in jedem Bus oder Tram gleich an? Die kurze Antwort: Die Klimatisierung arbeitet immer in Abhängigkeit von der Aussentemperatur und vielen weiteren Einflussfaktoren. Wir erklären, was technisch möglich ist – und weshalb das «perfekte» Klima unterwegs anspruchsvoll bleibt.
Wenn draussen die Temperaturen steigen oder fallen, spüren wir das auch in Tram und Bus. Als Fahrgast wünschen wir uns in modernen Fahrzeugen eine konstant angenehme Temperatur – unabhängig davon, ob es gerade 32 °C im Schatten hat oder Frost herrscht. Die Krux daran: Der Fahrgastraum ist kein geschlossener Raum wie ein Gebäude: Türen öffnen laufend, Fahrgäste steigen ein und aus. Und je nach Tageszeit wirkt die Sonne sehr stark auf die grossen Fensterflächen – was einen Temperaturanstieg im Fahrgastraum bewirken kann. All diese Faktoren bestimmen, wie warm oder kühl es sich in Tram oder Bus anfühlt.
«Raumklima» in Fahrzeugen
Der Begriff «Raumklima» kommt hauptsächlich aus der Gebäudetechnik. Dort spielen nebst Temperatur auch Luftfeuchtigkeit oder Luftbewegungen und weitere Parameter eine grosse Rolle, ob es angenehm ist. Als Grundsatz in neuen Fahrzeugen gilt: Die Innentemperatur in Bus und Tram wird in Abhängigkeit mit der Aussentemperatur geregelt. Ein von den Fahrgästen als durchwegs angenehm empfundener Temperaturunterschied zwischen der Aussen- und der Innentemperatur bewegt sich zwischen vier bis sechs Grad. Beispiel: Herrscht im Frühsommer eine Aussentemperatur von 26 °C wird eine Innentemperatur von rund 21 °C als sehr angenehm und «kühl» empfunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Temperaturen in den Linienbussen werden automatisch geregelt.
- Türöffnungen in Kombination mit der Aussentemperatur verändern Klima im Fahrgastraum laufend.
- Wärmepumpen sind auf Effizienz und Durchschnittswerte ausgelegt.
Temperaturspitzen
Steigen die Temperaturen im Hochsommer, während mehreren Tagen deutlich über die 30-Grad-Marke, kommen die in den Fahrzeugen von BERNMOBIL verbauten Klimaanlagen an ihr technisches Limit – sprich der Fahrgastraum lässt sich nicht mehr unter einen Wert von ca. 27 °C abkühlen.
Und im Winter? Bei einer Aussentemperatur um den Gefrierpunkt strebt BERNMOBIL in ihren Fahrzeugen eine Innentemperatur von ca. 15 °C an. Fallen die Temperaturen deutlich in den Minusbereich kann die angestrebte Temperatur nicht immer gehalten werden.
Physikalische Grenzen
Unabhängig davon, ob Sommer oder Winter: Wenn an einer Haltestelle die Türen aufgehen, passiert im Fahrzeug immer ein Luftaustausch: Warme oder kalte Luft strömt hinein, und klimatisierte Luft entweicht nach draussen. Gleichzeitig bewegen sich die Fahrgäste – dadurch wird die Luft im Innenraum zusätzlich verwirbelt und umgewälzt. Darum kann die Innenraumtemperatur aufgrund des Fahrgastwechsels nicht konstant gehalten werden. Die Klimaanlage bzw. Heizung muss nach jeder Türöffnung zuerst wieder «nachregeln» – und das braucht Zeit, besonders bei häufigen Stopps oder starkem Andrang. Und warum werden nicht einfach leistungsfähigere Klimaanlagen bzw. Heizungen installiert? Der Grund liegt nicht zuletzt in einer ökonomisch, wie auch ökologisch sinnvollen Beschaffung. Das heisst die Geräte sind auf die durchschnittlichen, klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa und nicht nach vereinzelt vorkommenden Höchst- bzw. Tiefsttemperaturen ausgerichtet.
Übrigens: Die Temperatursteuerung im Fahrgastraum wird automatisch gesteuert – einzig die Temperatur im Fahrerstand bzw. am Fahrerarbeitsplatz im Bus kann vom Fahrpersonal selbst geregelt werden.
Technische Möglichkeiten und Grenzen
Im Fahrgastraum verteilt sich die Wärme nicht gleichmässig. Weil warme Luft nach oben steigt, ist es im Fussbereich oft kühler als weiter oben. Beim Blick auf die Energieeffizienz fällt auf, dass die Heizung fossil betriebener Fahrzeuge (Diesel, Gas, Hybrid) aufgrund der Abwärme der Verbrennungsmotoren auch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sehr effizient arbeitet. Etwas anders verhält es sich bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Sowohl in den 27 neu beschafften Trams des Typs «Tramlink» als auch in der Elektrobusflotte kommen wegen der höheren Energieeffizienz Wärmepumpen zum Einsatz. Reicht die Leistung der Wärmepumpe bei extremer Kälte nicht aus, muss zusätzlich direkt mit Strom geheizt werden. Das erhöht den Stromverbrauch und vermindert bei Batteriefahrzeugen die Reichweite. Aus diesem Grund ist speziell bei batteriebetriebenen Elektrobussen ein gutes Energiemanagement entscheidend für einen zuverlässigen Betrieb. Bis 2035 soll die gesamte Flotte von BERNMOBIL klimaneutral unterwegs sein. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, beschafft die Transportunternehmung gemäss dem Auftrag der Stadt Bern nur noch fossilfrei betriebene Fahrzeuge mit einer ökologisch verträglichen Klimatisierung.
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