Logenplatz: Cool bleiben und kühlen Kopf bewahren

Wenn der Klimaanlage schier die «Puste» ausgeht, hilft nur noch eines: Kühlen Kopf bewahren!

24.06.2026

Logenplatz: Cool bleiben und kühlen Kopf bewahren

Wenn die Temperaturen in der Stadt auf über 30 Grad klettern, brauche ich ehrlich gesagt etwas Überwindung, mich ans Bus-Steuer zu setzen. Manche Fahrgäste – das weiss ich von Äusserungen aus meinem Freundeskreis – gehen ja davon aus, dass es bei mir vorne angenehm klimatisiert ist, wie in einem modernen PW. Doch dem ist nicht so. Zwar läuft eine Klimaanlage, aber sie kann bei starker Hitze an den Anschlag kommen. Hinter der grossen Frontscheibe wäre das Klima für Treibhaus-Tomaten geeigneter als für Fahrdienstangestellte wie mich. Die Sonne brennt auf meine steuernden Arme, dass nur Eincremen einen Sonnenbrand verhindert. Und wenn an der Türe neben mir ein Fahrgast ein- oder aussteigt, strömt hochtemperierte Aussenluft direkt zu mir. Ich habe ja mal in einer früheren Kolumne geschrieben, dass ich es gern habe, wenn Fahrgäste die erste Türe benutzen – muss hier aber hitzehalber eine kleine Korrektur anbringen.

Tagsüber muss ich wegen der laufenden Klimaanlage das Fenster links von mir geschlossen halten, was mich kommunikativ etwas einschränkt, winke, danke oder dirigiere ich doch gern mit Handzeichen durchs offene Fenster. Wenigstens kann ich jeweils am frühen Morgen oder am späten Abend eines Hitzetages das Fenster öffnen. Und so werde ich zum veritablen Hitzedetektor: Bern ist unterschiedlich temperiert. Auf asphaltierten Hauptverkehrsadern drückt heisse Luft, während unter Bäumen entlang von Quartierstrassen ein kühlender Fahrtwind durch mein Fenster weht.
Etwas muss ich hier auch noch loswerden: Die Temperatur im Fahrgastraum habe ich nicht im Griff. Darum kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen von der Technik. Sie tun ihr Bestes. Aber bei extremer Hitze ist es wie bei mir vorne: Die Klimaanlage stösst an ihre Grenzen. Den Fahrgästen kann ich sagen: Bei mir vorne ist es in der Regel nicht kühler. Wir sind also alle im selben Boot, äh Bus. Im Unterschied zu ihnen bleibe ich aber ein paar Stunden darin sitzen.
Bei Hitze versuche ich gelassen und cool zu bleiben. Wobei ich zugeben muss, dass heisse Tage jene Tage sind, an denen ich gegenüber Fahrgästen am meisten Neid und Missgunst empfinde – dann nämlich, wenn hinter mir genüsslich Glace-Stängeli geschleckt werden. Oder wenn leicht bekleidete Menschen mit dem Aare-Sack an der Monbijoubrücke aussteigen oder mit nassen Haaren einsteigen.
Einige von diesen sitzen gar in Badekleidern im Bus. Sie ahnen nicht, wie gerne ich das auch täte. Doch wir haben unsere Dienstkleider-Vorschriften. Und das ist in diesem Fall wohl gut so.
 

Busfahrer von BERNMOBIL, This Wachter

 

This Wachter fährt seit 2024 bei BERNMOBIL Bus. Daneben macht er Podcasts - zum Beispiel «8424 Züri West» - und Audioproduktionen für Museen. Er war zuvor viele Jahre als Journalist tätig, unter anderem beim Berner «Bund» und bei Radio SRF 4 News. 

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