Logenplatz: Kollegiales Grüssen als Psychohygiene

Ein Gruss unter Bus- und Tramfahrenden ist mehr als eine nette Geste.

28.05.2026

Logenplatz: Kollegiales Grüssen als Psychohygiene

Busfahren kann ein recht einsamer Job sein, auch wenn man unter Menschen ist. Ich weiss noch, wie es am ersten Tag war, nachdem die Ausbildung vorbei war: Huch, jetzt bin ich ganz allein für diesen 12 Meter langen und 2.5 Meter breiten 13-Tönner verantwortlich – und für all die Fahrgäste! Letztere nehmen mich oft gar nicht wahr, was meine jobbedingte Einsamkeit unterstützt.  Jedes Mal aber, wenn ich einem anderen Bus oder einem Tram begegne, hellt sich meine Stimmung auf. Denn dann weiss ich, dass ich nicht allein allein bin. Es geht allen vorne am Steuer genau gleich. Und deshalb grüssen wir einander, auch wenn wir uns gar nicht immer persönlich kennen. Das löst für ein paar flüchtige Sekunden ein wohliges Gemeinschaftsgefühl aus: Wir gehören zur BERNMOBIL-Familie.
 

Wobei das Grüssen über die roten BERNMOBIL-Fahrzeuge hinausgeht und oft unter schweren Fahrzeugen generell auftritt. So habe ich schon gegenseitiges Winken erlebt mit Reisecars, Sattel-schleppern und Kehrichtwagen. Sogar konkurrenzübergreifendes Grüssen mit den orangen RBS-Bussen kommt vor. Und: Aus vorbeifahrenden Polizeiautos kommt ebenfalls oft ein Winken. 
Etliche Menschen aus meinem Bekanntenkreis amüsieren sich über das Grüssen von Bus zu Bus. Viele kennen auch jenen Gruss, den ein Busfahrer aus Hamburg praktiziert und der auf TikTok viral gegangen ist. Er (also der Gruss) heisst 4-1-5, wurde über 14 Millionen Mal angeklickt und von Fahrgästen bis Prominenz (darunter Fussballer Granit Xhaka) nachgeahmt. 
Ich habe diesen Gruss – oder eine Abwandlung davon – auch schon von BERNMOBIL-Kollegen und -Kolleginnen gesehen. Aber eigentlich sollten wir einen eigenen Berner Gruss entwickeln. Er müsste rasch vorbei sein (was vielleicht einem Berner Gruss widerspricht), weil nicht viel Zeit bleibt bei zwei Fahrzeugen in gegenseitiger Bewegung. 
Der Gruss sollte zudem die Betriebssicherheit nicht gefährden. Was bedeutet, dass gleichzeitiges Gestikulieren mit beiden Händen aus naheliegenden Gründen ausser Betracht fällt. Und zwischen-durch ist dann doch der Lichtsignalanlage vor mir oder der Velofahrerin neben mir Priorität einzuräumen und wohl oder übel auf das Grüssen zu verzichten. 
Dafür winken wir uns auch dann zu, wenn wir uns kaum sehen können: Selbst bei Dunkelheit grüsse ich. Und manchmal bin ich sicher, aus der Fahrerkabine des entgegenkommenden Busses oder Trams den Schatten einer Handbewegung wahrzunehmen. Dann weiss ich: Wir sind gemeinsam allein.

Busfahrer von BERNMOBIL, This Wachter

 

This Wachter fährt seit 2024 bei BERNMOBIL Bus. Daneben macht er Podcasts - zum Beispiel «8424 Züri West» - und Audioproduktionen für Museen. Er war zuvor viele Jahre als Journalist tätig, unter anderem beim Berner «Bund» und bei Radio SRF 4 News. 

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