Logenplatz: Wenn Busfahren in die Nase sticht
Döner, Parfüm und Rauchfahnen auf vier Rädern: Eine augenzwinkernde Kolumne über Gerüche im Busalltag.
26.08.2026
Ich kann die meisten Fahrgäste nicht riechen. Und das macht sie mir sympathisch. Ich meine es nämlich so: Meine Nase nimmt die allermeisten Fahrgäste nicht wahr. Doch ein einzelner Mensch, der auffällige Duftmoleküle abgibt, reicht – und schon ändert sich dies. Die Duft-Moleküle bewegen sich blitzschnell zu mir nach vorn und finden den Weg durch meine Nasenhaare. Es ist mir zwar ein Rätsel, dass die Luft im Bus gefühlt immer direkt zu mir hin zirkuliert, aber dafür gibt es sicherlich Gründe, über die Fachleute für Bus-Lüftungstechnik mehr erzählen könnten.
Fakt ist: Ich rieche, was hinten duftet oder stinkt. Gerüche sind ja in gewissem Sinne Geschmackssache. Aber ich kenne keine Kolleginnen und Kollegen im Fahrdienst, die am Duft von Exkrementen, Ausdünstungen und Auswürfen menschlichen oder tierischen Ursprungs Freude haben. Weil es ziemlich unappetitlich wäre, hier konkrete Beispiele aus der Praxis zu beschreiben, und ich interessiert bin, dass die Lesenden meine Kolumne nicht wegen Übelkeit beiseitelegen, wende ich mich weniger krassen Gerüchen zu.
Einzelne Fahrgäste bringen Fahnen in den Bus. Sie (die Fahnen) bestehen aus Alkohol oder/und Rauch und umwehen mich auch, wenn die Fahnenträger auf der hintersten Bank sitzen (was sie auffällig häufig tun). Eine Unterart offenbart sich olfaktorisch unzweifelhaft als dem CBD-Hanf angetan. Schon mehr als einmal habe ich mich umgedreht, weil meine Nase mir das Signal gab, dass hinten im Bus gekifft wird. Und jedes Mal sass da nur ein Mensch, dessen häufiger Konsum sich offensichtlich tief in seinen Kleidern eingenistet hat. Ich komme mir dann jeweils vor wie ein übersensibler Drogenhund.
Dann all das Ess- und Trinkbare, dessen Düfte mir entgegenschwappen: Meine persönliche Negativliste wird von Döner, asiatischem Fastfood und Salami-Sandwiches angeführt. Und, ach, dieses aufputschende Dosen-Getränk, dass Flügel verleihen soll! Mir bringt es nur die Nasenflügel in Wallung.
Selbst Frauen und Männer, die es gut meinen, können meinen Geruchsinn belasten. Ich denke da zum Beispiel an ein ganz bestimmtes Unisex-Parfüm, das in seiner süsslichen Penetranz meine Nase beleidigt. Die allermeisten Fahrgäste transportiere ich gerne über weite Strecken. Aber bei den oben beschriebenen bin ich jeweils froh, wenn sie schnell wieder verduften.
This Wachter fährt seit 2024 bei BERNMOBIL Bus. Daneben macht er Podcasts - zum Beispiel «8424 Züri West» - und Audioproduktionen für Museen. Er war zuvor viele Jahre als Journalist tätig, unter anderem beim Berner «Bund» und bei Radio SRF 4 News.
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