Logenplatz: Irrfahrten auf Autopilot
Kolumnist This Wachter erzählt von Irrfahrten, Kreiseln – und dem Charme menschlicher Fehlbarkeit.
24.09.2026
Wer möchte nicht zwischendurch aus der Alltagsroutine ausbrechen! Etwas Neues wagen. Sich überraschen lassen. Wer Glück hat, kann das sogar in einem BERNMOBIL-Bus erleben. Auf jeder Buslinie haben wir festgelegte Routen mit zugeordneten Haltestellen. Das ist auch den Fahrgästen hinlänglich bekannt. Wenn ich zum x-ten Mal vier Stunden auf einer bestimmten Linie unterwegs bin, brennt sich das richtiggehend ins Gehirn ein. Wo ich durchfahren muss, brauche ich mir nicht mehr zu überlegen. Da ist quasi der Autopilot aktiviert.
Delikat wird die Sache aber, wenn ich nach der wohlverdienten Pause auf einer Linie unterwegs bin, die der vorherigen streckenmässig ähnelt. Dann sollte ich besonders wachsam sein, wenn sich die Linien gabeln.
Ich gebe zu, dass ich darin schon gescheitert bin. Zwei Beispiele gefällig? Also: Ich fahre zuerst auf der Linie 28, die von der Monbijoubrücke herkommend am Eigerplatz-Kreisel links hinauf zum Bahnhof Weissenbühl führt. Später am Tag bin ich auf der Linie 31 unterwegs, die auch von der Monbijoubrücke herkommend beim Eigerplatz-Kreisel geradeaus Richtung Weissensteinstrasse geht.
Auf dem Kreisel geschieht es. Irgendwas geht mir durch den Kopf, was nicht unmittelbar mit meiner Route zu tun hat – und schon fahre ich mit dem Bus der Linie 31 in Richtung Bahnhof Weissenbühl. Zuerst realisiere ich es nicht, doch dann kommt mir ein Bus der Linie 28 entgegen, dessen Fahrer mich spürbar entgeistert anblickt. Ich gehe kurz in mich – und realisiere meinen Fahrfehler.
Den Kreiseln in dieser Stadt gehört ein Loblied. Denn sie sind es, die uns ermöglichen, den Weg zurück einzuschlagen, wenn wir uns verfahren. Ähnliches ist mir schon auf den Linien 29 und 22 passiert, die oft parallel verlaufen, aber sich dann doch hie und da auftrennen. Auch da haben mir die Kreisel geholfen.
Die Fahrgäste haben auf den ungewollten Ausbruch aus der Routine jeweils gefasst reagiert. Natürlich musste ich mich jeweils über den Innen-Lautsprecher erklären. Etliche waren ganz amüsiert. Offenbar schätzen diese, dass vorne am Steuer (noch) ein Mensch und keine fehlerlose Maschine sitzt.
Es kursieren spektakulärere Geschichten als jene, mit denen ich hier aufwarten kann. So soll ein Kollege einmal mit dem Bus der Linie 28 vom Wankdorf-Kreisel kommend nicht Richtung Entsorgungshof an der Wölflistrasse abgebogen sein, sondern grad kurz vorher – auf die Einfahrt zur Autobahn. Er musste dann fahren bis zum Grauholz, um wieder zurückzukommen.
Der Fahrplan wird bei solchen Ausflügen schnell mal zur Theorie. Aber wie heisst es doch so schön (oder ähnlich): Der Umweg ist das Ziel.
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This Wachter fährt seit 2024 bei BERNMOBIL Bus. Daneben macht er Podcasts - zum Beispiel «8424 Züri West» - und Audioproduktionen für Museen. Er war zuvor viele Jahre als Journalist tätig, unter anderem beim Berner «Bund» und bei Radio SRF 4 News.
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